KIDZ SKIN Andreas Weins Kinder- und Jugenddermatologe Ulm. Hautarzt 
 für Kinder im Raum Augsburg, Stuttgart und Günzburg.

NEURODERMITIS & BADEN ?

Baden oder lieber nicht baden? Wenige Fragen sorgen für so viel Unsicherheit bei Eltern von Kindern mit Neurodermitis wie diese. Tatsächlich ist diese Frage mit keinem einfachen Ja oder Nein zu beantworten. Daher hier einige allgemeine und spezielle Betrachtungen rund um das Thema Baden.

Das Bad als begleitendes Therapieelement

Gerade in akuten Schüben kann das Baden als eine begleitende therapeutische Maßnahme bei Kindern mit akuter mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis genutzt werden, so eine aktuelle Studie (Cardona I et al, J Allergy Clan Immunol Pract).  Und das sogar auf einer täglichen Basis. Vorteilhaft für die Therapie des akuten Schubs macht sich hier vor allem die Hydratisierung, d.h. die Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit. Denn die frisch gebadete Haut kann sowohl die Pflege-, als auch Wirkstoff-haltige Creme besonders gut aufnehmen. Dies kann die Wirkung der einzelnen Cremes und Salben verbessern, ohne dass hier mengenmäßig mehr auf die Haut aufgebracht werden muss.

Naheliegend, und fast schon zu banal klingend, ist der reinigende Aspekt des Badens – was ja der eigentliche Zweck eines Bades darstellt. Dies ist besonders dann relevant, wenn die Haut großflächig von der akuten Neurodermitis betroffen ist. Denn mit dem Bad lassen sich potenzielle reizende Stoffe und Allergene, vor allem aber auch Cremereste, entfernen.

Nach dem dermatologischen Leitsatz „Feucht auf Feucht“ ist Baden aber auch in Phasen mit stark nässenden Ekzemen geeignet, ein Eintrocknen zu fördern – zum Beispiel mit Zusatz von gerbstoffhaltigen Badezusätzen, die zusätzlich den Juckreiz lindern können.

Von Kleopatra, Chlorbleiche und Allergenen

Weil nässende Ekzemherde nicht selten auch dicht von Bakterien besiedelt sind, allen voran Staphylokokkus aureus, kann der Zusatz von desinfizierenden Zusätzen hilfreich sein. In diesem Kontext werden seit einiger Zeit sog. Bleach-Bäder propagiert. Bei einem Bleach Bad wird dem Badewasser Natriumhypochlorid (auch als Chlorbleiche bekannt, englisch: Bleach) zugesetzt. Obwohl Natriumhypochlorid prinzipiell antibakteriell wirksam ist, sind die für Bleach-Bäder empfohlenen Konzentrationen jedoch zu niedrig, um tatsächlich desinfizierend zu wirken. Zu diesem Ergebnis kam jüngst eine amerikanische Studie (Majewski S et al, Pediatr Dermatol). Der Gedanke allerdings, die Chlorbleiche dann einfach höher zu konzentrieren, sollte dagegen gleich verworfen werden: Denn aufgrund reizender und sogar schädlicher Wirkungen ist von einem Einsatz höherer Konzentrationen abzuraten.

Aus ganz anderen Gründen -nämlich unter dem Aspekt der Allergieprävention- gemieden werden sollten Badezusätze auf Basis von Weizenprotein und Kleie, ätherischen Ölen oder Ähnlichem. Auch der noch immer traditionelle Zusatz von Milch, wie z.B. im so genannten ‚Kleopatra-Bad‘, ist als eher bedenklich anzusehen. Denn inzwischen ist bekannt, dass die gestörte Hautbarriere bei der Neurodermitis wesentlich zur Sensibilisierung beiträgt – was letztlich die Grundlage für eine Allergie darstellt.

Worauf es beim Baden ankommt: Soak & Seal

Streng genommen braucht es keinen speziellen Badezusatz, da warmes Wasser (ideal: 27-30°C) meist ausreicht. Bei Verunreinigungen kann die Haut vorab mit einer milden Reinigungssubstanz (z.B. in Form eines Syndets) gesäubert werden. Hypoallergene Badeöle bieten sich als ein pflegender Abschluss an, indem Sie kurz vor Beendigung des Bades ins Wasser gegeben werden. Der Zusatz eines Badeöls ersetzt zwar nicht die nachträgliche Anwendung einer Pflegecreme, ist aber bereits als eine erste rückfettende Maßnahme zu werten. Zu beachten ist zudem, dass die Zeit des Badens auf wenige Minuten begrenzt werden sollte. 

Der Rückfettung kommt im Kontext des Badens, aber auch beim Duschen oder anderen Nasskontakten (wie z.B. dem Händewaschen) die wesentliche Bedeutung zu: Nur wenn die Haut unmittelbar nach dem Abtrocknen mit einer Pflegecreme behandelt wird, verliert sie nicht an Feuchtigkeit – sondern die bereits erwähnte Hydratisierung nimmt zu. Man nennt dies auch den sog. ‚Soak-and-Seal‘- Effekt. Bildlich gesprochen wird die Feuchtigkeit unter der Fetthaltigen Cremeschicht quasi eingefangen wird.

Berücksichtigt man diese Aspekte, so steht einem unbeschwerten Baden auch bei Neurodermitis nichts im Wege – und mehr noch: das Gute-Abend-Ritual kann auch therapeutisch genutzt werden.

Photo by Nathan Dumlao on Unsplash

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